Der Gewalt widerstehen – ein Einspruch aus der Gruppe ChristInnen gegen G20

Sie hatten es sich so schön vorgestellt in Hamburg: Für einen dreistelligen Millionenbetrag eine obszöne Inszenierung der Macht und Mächtigen zu organisieren. Mit Bildern des Händeschüttelns, der vermeintlichen Vernunft der Politik und Diplomatie in großen Verhandlungssälen und zum Schluss der bürgerlichen Feinsinnigkeit beim Beethovenkonzert.

Nur noch kurz die Welt retten

Leider kam alles ganz anders. Wie erwartet machte Trump beim Klimagedöns nicht mit, Erdogan nutzte die Gunst, sich anzuschließen und sich der amerikanischen Regierung anzudienen, das ganze Gerede von der Sorge um Afrika blieb das, was es war: leeres Gerede. Und Frau Merkel wird auch nicht als die großartigste Interpretin des Songs „Nur noch kurz die Welt retten“ in die Geschichte eingehen.
Dieser Form der Weltrettung haben viele von Anfang an misstraut. Ihre Kritik an den G20 haben sie auf dem Gegengipfel formuliert, auf den Sitzblockaden der Zufahrtswege am Freitag Morgen praktisch umgesetzt und in der solidarischen internationalistischen Demonstration laut auf die Straßen getragen. Sie haben sich nicht einschüchtern lassen und die Regeln ihres Protestes selber festgelegt: Sie wollten die Inszenierung der Macht unterbrechen.

Die Aufkündigung ihrer Ordnung

Zur Inszenierung der schönen Welt von Scholz und Merkel gehörte von Anfang an, dass kein Bild bunten, demokratischen Protestes und Widerstandes stören sollte. Das Vorgehen der Bundesregierung und der Hamburger Behörden war da tatsächlich von Anfang an einer Meinung. Man verweigerte den Protestierenden die Camps, auch da noch, wo sie vom Gericht erlaubt waren, man organisierte Schlafentzug durch niedrig fliegende Hubschrauber, man zerschlug am Donnerstag die Demonstration, obwohl nichts, aber auch gar nichts geschehen war, was zu diesem Einsatz Anlass gegeben hätte. Die Polizei kannte nur ein Ziel: Einschüchterung. Und nur ein Mittel: martialische Gewalt. Glaubt denen, die es erleben mussten! Aber das Konzept ging nicht auf: die Stadt ließ sich nicht managen. Die Arroganz der politischen Verantwortlichen lag offen zu Tage, der G20-Gipfel ist kein Hafengeburtstag. Die ganze zur Schau gestellte Staatsgewalt dieses autoritären Kapitalismus hat nur zu einem geführt: Mut, Wut, und der Aufkündigung ihrer Ordnung. Die Vielen haben sich ihr Recht genommen und die Straße von der Polizei, den Wasserwerfern, den Räumpanzern zurückerobert. Die Verhältnisse hatten sich gedreht. Die Übermacht der Polizei war gebrochen, ihre Aufkündigung rechtstaatlicher Methoden, ihr Einsatz der Gewalt hatte versagt.
Erst jetzt kam der Punkt, an dem auch diejenigen ihren Einsatz wagten, dessen politisches Ziel für die wenigsten von uns verständlich ist. Die ihr nihilistisches unbedingtes Nein im Schanzenviertel in die Tat umsetzten, Fensterscheiben zerschlugen, damit die Nachfolgenden plündern konnten; die die Herausforderung zum Kampf durch den Staat wörtlich nahmen.

Wer dürfte sich empören?

Die Empörung über diesen Kampf in vielen Medien und in der Politik ist allerdings elendig: Ihre eigene Gewaltverliebtheit zeigt sich in der geradezu erotischen Titelei der Bildzeitung am Sonntag im obszönen Bild eines gestählten halbnackten Straßenkämpfers, den hunderten selfies und smartphonevideos von den Kämpfen im Netz und den sozialen Medien. Diese Gewalt lässt einen erschauern und ihre Bilder sind ein probates Mittel, um die Bilder der alltäglichen Gewalt aus dem Kopf bekommen zu können. Die Opfer des Klimawandels, die Millionen Hungernden, die Ertrinkenden im Mittelmeer. Für diese strukturelle Gewalt sind die Herrschenden der G20 maßgeblich mitverantwortlich. Über eine Entschädigung der Opfer ihrer Gewalt wird niemals diskutiert. Angesichts der Bilder aus dem Schanzenviertel applaudiert die öffentliche Meinung den zunehmenden Polizeistaatstendenzen, die man in Russland und anderswo verachtet, während man den Bildern der alltäglichen Gewalt achselzuckend ein „So sind sie halt, die Verhältnisse“ entgegnet. Was immer wir zu der Nacht von Freitag auf Samstag sagen würden: Ihnen wäre es nur das Geständnis, um unseren Widerspruch zu diesen Verhältnissen, für die die G20 stehen, verurteilen zu können. Für uns wird DIESE Welt voller Elend aber nicht das letzte Wort behalten, hieß es in unserem Aufruf. Aus Mexiko schrieb uns ein Freund, bevor wir nach Hamburg fuhren: „Ich danke Euch und schicke Grüße an alle Organisatoren und die Gebete unserer Gemeinde, dass die Proteste zum Wohl der Menschheit beitragen.“ Dafür waren wir in Hamburg und es war richtig so.

Protestas contra la reunión del G20 en Hamburgo

6 y 7 de julio: Manifestaciones de protesta y acciones de resistencia y desobediencia civil
¿Hay una consigna que caracterice este G20? Sí, sí la hay: „¡Todo Hamburgo odia a la policía!“ Y ese todo es realmente grande. Son los grupos organizados, son l@s muchach@s con chamarras negras, es la gente de los barrios del puerto, que está harta de esa policía. Porque nos ha aterrorizado a tod@s, y eso lo ha visto todo el mundo. Pero hay algo más: es la rabia y la valentía para no someternos. Los campamentos no autorizados, las rondas organizadas para impedir el sueño, la desarticulación de la manifestación del jueves, toda la violencia de estado ejercida por este autoritario capitalismo, que aquí y ahora no se da cuenta de que todo eso sólo ha conducido a la rabia y la denuncia de su orden dominante. A lo largo de ayer y hoy, las multitudes ejercieron su derecho y recuperaron las calles.
El miedo ha dejado de ser todopoderoso. El Bloque G20, organizador de las protestas, lo logró. La alianza „Bienvenidos al infierno“ lo logró. La „Juventud contra el G20″ lo logró. Tod@s los logramos, porque hicimos lo que hacía falta para conseguirlo. Hace 10 años, en la reunión del G8 en Heiligendamm, la policía dijo de nosotros: „Jefe, son demasiados“. Hoy, en Hamburgo, dicen: „Jefe, están por todas partes y no tienen miedo“. Y así será también mañana, ¡no crean que podrán detenernos! ¡Mañana nos veremos todos de nuevo en la gran manifestación de cierre contra este absurdo espectáculo del G20! ¡Venceremos!

8 de julio: Megamarcha internacional y cierre de las protestas
El sábado tuvo lugar la megamarcha que cerró los días de protesta contra el G20 en Hamburgo. A los exitosos bloqueos para interrumpir el encuentro del G20 siguió una manifestación de casi 80 mil personas. „La solidaridad no conoce fronteras“: esa fue la consigna pintada en la manta que llevaron sindicalistas argentinos, activistas bolivianos, mexicanos, indios y alemanes. Decenas de miles de personas llevaron a las calles su protesta contra el encuentro del G20, sin dejarse intimidar por la propaganda que acusaba a los manifestantes de ser terroristas violentos.
Contra ellos estuvo, también, ese amor por la violencia de una parte de la clase burguesa y la clase política. Porque ellos necesitaban las imágenes de autos incendiados y vidrios rotos en Hamburgo para ocultar las imágenes de las personas ahogadas en el Mediterráneo, las yazidíes violadas y asesinadas o l@s sin techo que duermen bajo los aparadores de sus tiendas favoritas. Da igual lo que nosotros pudiéramos decir sobre los hechos ocurridos durante la noche del viernes y las primeras horas del sábado; los representantes del capitalismo global y sus partidarios se servirán de esos hechos para condenar nuestras protestas y tratar de ocultar con ellos los problemas que nos llevaron a tomar las calles. Alrededor de 80 mil personas respondieron el sábado a nuestro llamado para manifestarnos. Y lo hicieron no a pesar de los acontecimientos ocurridos en los días anteriores, sino precisamente a causa de ellos y de nuestra crítica al espectáculo del G20 en Hamburgo.

Die Proteste gegen das Treffen der G-20

6. und 7. Juli: Proteste, Widerstandsaktionen und ziviler Ungehorsam
Gibt es einen Ruf, der diesen G20 prägt? Ja, es gibt ihn: „Ganz Hamburg hasst die Polizei!“ Und dieses Ganze ist ziemlich groß. Es sind organisierte Gruppen, ob bunt oder autonom, es sind Kids in schwarzen Regenjacken, es sind die Leute in den Vierteln am Hafen, die diese Polizei einfach satt haben. Denn natürlich haben sie uns alle terrorisiert. Das haben alle gesehen. Aber es ist mehr: Es ist die Wut und der Mut, uns nicht unterzuordnen. Die verweigerten Camps, der organisierte Schlafentzug, die zerschlagene Demo am Donnerstag, die ganze Staatsgewalt dieses autoritären Kapitalismus, der hier und heute nicht mehr weiter weiß: das alles hat nur zu einem geführt: Wut, und die Aufkündigung ihrer Ordnung. Die Vielen haben sich heute wie schon gestern abend ihr Recht genommen, die Straße zurückerobert. Die Angst ist nicht mehr allmächtig. BlockG20 hat es geschafft, Welcome to Hell hat es geschafft, die Jugend gegen G20 hat es geschafft. Alle haben es geschafft. Und sie tun alles, was dazu nötig ist. Vor zehn Jahren in Heiligendamm beim G8 sagte uns die Polizei: „Chef, es sind zu viele“. In Hamburg sagen sie uns heute: „Chef, sie sind überall und haben keine Angst“. Und so wird es auch bis Morgen sein: Glaubt nicht, dass ihr uns aufhalten könnt! Morgen sehen wir uns alle auf der großen Abschlussdemo gegen dieses absurde G20-Spektakel! Venceremos!
8. Juli: Internationale Großdemo und Abschluss der Proteste
Am Samstag fand die Abschlussdemonstration der Protesttage statt. Der erfolgreichen praktischen Unterbrechung des G20-Treffens mit den Blockaden folgte eine Demonstration mit fast 80.000 Menschen.
„Solidarität kennt keine Grenzen“: Argentinische Gewerkschafter, bolivianische, mexikanische, indische und deutsche Aktivisten trugen das Transparent. 80.000 Menschen brachten ihren Widerspruch gegen das G20 Treffen auf die Strasse, ohne sich von der Propaganda, dass die Protestierenden gewalttätige Terroristen sind, einschüchtern zu lassen.
Dagegen steht allerdings die Gewaltverliebtheit von Teilen der bürgerlichen und politischen Klasse. Denn sie brauchen die Bilder brennender Autos und eingeschlagener Scheiben aus Hamburg, um die Bilder der Ertrinkenden im Mittelmeer, der vergewaltigten und erschlagenen Yesidinnen oder der Obdachlosen, die unter den Schaufensterscheiben ihrer Lieblingsgeschäfte schlafen, aus ihrem Kopf bekommen zu können. Was immer wir zu der Nacht von Freitag auf Samstag sagen würden: Ihnen wäre es nur das Geständnis, unseren Widerspruch zu diesen Verhältnissen, für die die G20 stehen, verurteilen zu können.
Am Samstag sind 80.000 Menschen unserem Aufruf zur Demonstration gefolgt. Nicht trotz, sondern wegen der Ereignisse der vorausgegangene Tage und unserer Kritik an dem Spektakel der G20 in Hamburg.

Kommt alle nach Hamburg: Demokratie schützen, Gewalt im Keim ersticken!

„Ich fordere alle Demonstranten auf, dort friedlich zu bleiben. Die Linie ist klar: friedlicher Protest ja, gewalttätiger Protest nein. Gewalt, egal von wem, muss von Anfang an im Keim erstickt werden.“ (Innenminister de Maizière)

Was gegenwärtig in Hamburg im Vorfeld des G20-Treffens geschieht, läßt keinen Interpretationsspielraum mehr zu: Polizei und Politik – allen voran SPD und Grüne – kümmern sich einen Kehricht um Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und Demokratie. Jeglicher Protest gegen den Wahnwitz der G20 soll in Hamburg im Keim erstickt werden. Und es funktioniert, weil in Deutschland die Demokratie nur mäßig funktioniert. Ich weiss, dass mit einer solchen Aussage nur die wenigsten hier in der Republik einverstanden sind. Aber: Demokratie bewährt sich vor allem dort, wo ihre Infragestellung zurückgewiesen wird, weil Versammlungen verboten werden, weil Menschen diffamiert und denunizert werden, wie vom Hamburger Verfassungsschutz, der die „Anführer“ der „Linksextremisten“ öffentlich auf seiner webseite mit Namen vorstellt. Demokratie bewährt sich dort, wo Menschen, die sie in Anspruch nehmen, nicht gegen alles besseres Wissen als „linksextremistisch“ und „gewaltbereit“ diffamiert werden! (mehr…)

Demo 8. Juli Treffpunkt/Infos

Bald ist es soweit. Nächste Woche beginnt die Protestwoche gegen den G20 Gipfel in Hamburg. Dazu gehören der Gegengipfel (5./6.7.), der Aktionstag am Freitag (7.7.) und die Großdemo am Samstag (7./8.7.) und viele weitere kleinere und größere Aktionen, Demos und Kundgebungen. Allgemeine Infos dazu finden sich unter https://g20hamburg.org/de. An den ganzen Tagen werden sich auch Christinnen und Christen beteiligen und der Aktionskreis „ChristInnen gegen G20″ ruft auf, sich gemeinsam an der Großdemo am 8. Juli zu beteiligen.

Infos zur Demo am 8. Juli
Grundsätzlich: Alle Infos sollten unbedingt unmittelbar vor dem 8. Juli überprüft werden. Die Tage in Hamburg werden voraussichtlich sehr voll werden, sodass es auch zu Änderungen von Uhrzeiten und Treffpunkten kommen kann!

Allgemeine Infos finden sich unter http://g20-demo.de/de/demoroute/
Der Auftakt ist ab 11 Uhr auf dem Deichtorplatz (Nähe Hauptbahnhof). Treffpunkt der Christinnen und Christen (und weiterer Interessierter), die gemeinsam auf die Demo gehen wollen, ist um 10:30 Uhr ein kleiner Platz am Haupteingang vor dem Saturn in der Mönckebergstraße.Wenn man aus dem Hbf. rauskommt ist es halblinks am Anfang der Mönckebergstraße. Das Saturn-Gebäude sollte man vom Bahnhof und vom Zug aus sehen.

Weitere Infos sowie Aktualisierungen zur Demo folgen in den nächsten Tagen.
Bringt reichlich Leute mit!
Bis nächste Woche auf der Straße!