Christinnen und Christen! Wir sagen „nein“ zum System der Todsünde! Beteiligen wir uns am G20 Protest in Hamburg!

Vom 7. bis 9. Juli treffen sich die Staatschefs der reichsten 20 Länder der Erde in Hamburg, um ihre Geschäftsordnung einer aus den Fugen geratenen Welt aufeinander abzustimmen. Doch während sie diskutieren, werden tausende Menschen ihren Protest auf die Straße tragen und sagen: „Grenzenlose Solidarität statt G20!“.

Es geht um „Resilienz“
Die Staatschefs der G20 werden im Zentrum von Hamburg ihre Geschäftsordnung des Kapitalismus verhandeln. Schadensbekämpfung nennt man das, denn es geht ihnen, so hört man, nicht darum, Lösungswege für die drängenden Probleme zu suchen, sondern um „Resilienz“. Übersetzt heißt das, die angeschlagenen und nicht mehr leistungsfähigen Volkswirtschaften sollen in die Lage versetzt werden, ohne zu murren mit dem Mangel zu leben und die Verhältnisse zu akzeptieren. Übersetzt heißt das auch, die Menschen „stark“ zu machen, Kriege als Mittel der Politik einzusehen, entsprechend staatlich verordnete Terrorismusbekämpfung nach innen und außen als geeignete Sicherheitsvorkehrung zu betrachten sowie Grenzzäune und Lager als notwendige Maßnahmen zu begrüßen, um Flucht und Migration weltweit im Sinne der herrschenden Ökonomien zu regulieren.
Dieses Treffen mitten in einer deutschen Großstadt ist eine Provokation. Die Botschaft der Mächtigen lautet: Wir machen, was wir für richtig halten und niemand wird uns dabei stören und uns davon abhalten. Die Botschaft ist angekommen.

Die Aktionstage in Hamburg
Wir werden auch da sein! Die Protesttage werden in einem „Dreiklang“ realisiert, indem am Mittwoch und Donnerstag vor dem Gipfel ein „Gegengipfel“ mit inhaltlichen Foren, Diskussionen und Workshops die brennenden Probleme global aus einer Perspektive „von unten“ beleuchten wird (5./6. Juli). Zahlreiche NGOs wie Misereor, Brot für die Welt, um nur bekannte kirchliche Einrichtungen zu nennen, aber auch Umweltverbände und politische Akteure eines breiten Spektrums lassen es sich nicht nehmen, Flagge zu zeigen und ihrer Kritik Gehör zu verschaffen. Am Freitag (7. Juli) folgen Aktionen zivilen Ungehorsams dar. Viele Menschen werden sich nicht davon abhalten lassen, den Ort des Geschehens aufzusuchen, um zu zeigen, dass die Mächtigen keine Macht über sie haben. Es wird symbolisch nach einem Ausdruck gesucht, entschieden der Arroganz der Macht gegenüberzutreten und zu demonstrieren, dass man Angst auch überwinden kann. Eine Großdemonstration am Samstag (8. Juli) schließt den Dreiklang ab. Die Veranstalter, ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Akteure, rechnen schon jetzt mit großer Beteiligung. Ein Camp wird allen die Möglichkeit geben, gemeinsam und selbstorganisiert die Aktionstage zu erleben, sich zu treffen, zu planen, zu feiern. Die evangelische Nordkirche wird sich ebenfalls mit vielen Veranstaltungen schon im Vorfeld, aber auch mit parallel laufenden Friedensgebeten und Gottesdiensten beteiligen.

„Diese Wirtschaft tötet“
Warum wir es für wichtig halten, sich an den Protesten zu beteiligen? Die kapitalistische Weltunordnung treibt uns in einen Strudel von Gewalt und Tod, wenn wir nur bereit sind, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Während ich diesen Text verfasse, ruft die Weltgesundheitsorganisation dazu auf, eine humanitäre Katastrophe im Sudan zu verhindern, weil Millionen von Menschen, überwiegend Kinder, vom Hungertod bedroht sind. 2011 war es Somalia und der berühmte Soziologe und ehemalige UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler schrieb seine ungehaltene Rede „Aufstand des Gewissens“ mit dem aufrüttelnden Satz: „Jedes Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet“. Papst Franziskus hat es auf den Punkt gebracht: „Diese Wirtschaft tötet“. Und wenn wir schon in Deutschland und Europa das Privileg genießen, nicht an Hunger zu sterben, so interessiert sich der Kapitalismus genauso wenig in seinem Wachstums- und Verwertungswahn für die Seele der Menschen. Mit unendlicher Grausamkeit stumpft er uns ab und gewöhnt uns an die unbeschreibliche Ungerechtigkeit im realen Dasein der Weltgesellschaft, die als Naturzustand dargestellt wird.
Dagegen stehen wir auf und sagen „nein“ zu diesem System der Todsünde, das Gott und uns Menschen in seiner Ebenbildlichkeit verhöhnt, verachtet, benutzt, verwertet, zu Abfall macht, uns verdursten und ertrinken lässt. Seien wir solidarisch und kämpfen wir gemeinsam dagegen an. Geben wir nicht die Hoffnung auf und setzen wir unser Leben und die Zukunft gegen die Monster der Gegenwart.